Jahresprogramm 2015/16 mit Ulf Aminde Ausschreibung für Young Fellows

WERDE YOUNG FELLOW IN DER JUNGEN AKADEMIE

WAS IST DIE JUNGE AKADEMIE UND WER KANN YOUNG FELLOW WERDEN?

Zum Selbstverständnis der Akademie der Künste der Welt gehört es, über die Grenzen gängiger akademischer Modelle hinaus zu denken. Daher ist sie besonders interessiert an einer Auseinandersetzung mit alternativen und spekulativen Lehrmethoden wie selbstreflexiven und experimentellen studentischen Arbeitsformen. Gemäß dieser Zielsetzung bietet die Junge Akademie allen Interessierten zwischen 18 und 27 Jahren die Möglichkeit zur aktiven Teilnahme.

Zusammen mit einem Gastkurator entwickeln die Young Fellows über den Zeitraum eines Jahres ein künstlerisches Projekt, bei dem die gemeinsame Auseinandersetzung mit einem Themenschwerpunkt im Zentrum steht und die Teilnehmer ihre möglichst unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründe, Fragen, Interessen und Arbeitsschwerpunkte in einen produktiven Diskurs miteinander in Beziehung setzen.

WELCHE BESONDEREN VORAUSSETZUNGEN ERFÜLLEN YOUNG FELLOWS?

Die Junge Akademie bietet den Young Fellows einen alternativen Lern- und Erfahrungsraum, in dem sie sich parallel zur akademischen Ausbildung an Universitäten und Kunsthochschulen weiterentwickeln können. Entscheidende Voraussetzungen sind die Bereitschaft, Konsumismus und Passivität zu überwinden, und sich aktiv an der Mitgestaltung des sozialen, kollaborativen Raumes zu beteiligen.

Wir verstehen die Junge Akademie als einen Ort, an dem Diversität praktiziert wird. Ein tragendes Leitbild der Jungen Akademie ist das Bemühen um eine experimentelle und künstlerische Auseinandersetzung mit drängenden gesellschaftlichen Herausforderungen wie Rassismus, Nationalismus, Ökonomie und Ökologie sowie der sich verändernden Studiensituation an den Hochschulen.

Die Aktivitäten und Workshops der Jungen Akademie finden in deutscher, bei Bedarf in englischer Sprache statt.

WAS MACHT MAN ALS YOUNG FELLOW IN DER JUNGEN AKADEMIE?

Im Jahresprogramm 2015/16 werden die Young Fellows gemeinsam mit Ulf Aminde ein künstlerisches Projekt entwickeln, das durch Gastredner, Vorträge und Workshops bereichert wird. Die Lern-, Diskussions- und Arbeitstreffen im ACADEMYSPACE entwerfen eine kritische und ästhetisch forschende Arbeitsweise, in der die Autonomie künstlerischer Praxis und ihre kritische Befragung die Grundpfeiler der Zusammenarbeit darstellen.

Für das Projekt mit Ulf Aminde ist vom 24. bis zum 25. Oktober 2015 ein Kennenlernen der Gruppe und ein erster Einstieg in die thematische Auseinandersetzung geplant. Darüber hinaus sind im Dezember und Mai jeweils mehrtägige Arbeitstreffen und im Februar eine Woche mit Workshops und Vorträgen der eingeladenen Gäste vorgesehen. Zum Abschluss des Jahresprogramms findet im Juli 2016 eine weitere Workshop-Woche mit anschließender öffentlicher Präsentation des Projekts statt.

Die Young Fellows haben freien Eintritt zu allen Veranstaltungen der Akademie der Künste der Welt.

DAS THEMA

*filmlaboratory#1: fremd gehen / playing away

Ulf Aminde (1969 in Stuttgart geboren) ist ein in Berlin lebender Künstler und Filmemacher. In seiner künstlerischen Praxis nutzt Aminde Fotografie, Zeichnung, Video und Performance, um mit Menschenbildern zu experimentieren und gesellschaftlich relevante Fragestellungen zu erörtern. Mit Hilfe der Kamera und Strategien des performativen Dokumentarfilms, des Theaters, der Aktionskunst und vor allem durch den Dialog mit Menschen jenseits des Kunstbetriebs produziert Aminde seine Arbeiten an vielen verschiedenen Schauplätzen: in Gefängnissen, Behindertenheimen und Drogeneinrichtungen, auf der Straße, in IKEA oder im Job-Center, in der Wohnung seiner Cousine, in psychiatrischen Klinken und mit taiwanesischen Operndarstellern. Amindes Projekte beginnen oft ohne Skript und entfalten erst während der Zusammenarbeit ihre eigene Narration. Innerhalb dieser filmischen Settings befragt Aminde seine eigene Rolle als Autor, Initiator, und Künstler. Mehr Information: http://www.ulfaminde.com.

Mit dem *filmlaboratory initiiert Ulf Aminde eine gemeinsame Arbeit mit Werkstattcharakter. Der Einsatz performativer Strategien und der Gebrauch einer (Film, Handy, Foto-)Kamera liegen dem Projekt mit der Jungen Akademie zugrunde.

Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt:

  • Wie können wir uns als künstlerische Produzenten in einer Gegenwart verorten, die das „kreative Selbst“ bereits als ein Diktum in ihre Mitte aufgenommen hat?
  • Wie können aus den persönlichen, privaten Umgebungen heraus künstlerische Verbindungen in das gesellschaftlich Verbindliche, Politische gezogen werden?
  • Wie können wir digitale (Film-)Bilder infiltrieren? Wie können wir uns dieses Material aneignen?
  • Welche Modi der Kollektivierung sind innerhalb einer Formation wie der *filmlaboratory-Gruppe möglich?
  • Wie können andere Personen, die nicht selbstverständlich an unseren Gesellschaften der Mittelklasse teilhaben, in diese Arbeitsweisen eingebunden werden und welche neuen Probleme der Repräsentation und Darstellung ergeben sich daraus?
  • Wie kann man durch filmische oder performative Experimente eine fiktive Zukunft imaginieren?
  • Wie sind in diesen Medien spekulative Versuche einer neuen Gemeinschaftlichkeit der Diversität möglich?


In der gemeinsamen Arbeit werden:

  • Techniken und Wirksamkeiten von dokumentarischen, künstlerischen, filmischen und performativen Strategien anhand von Beispielen aufgezeigt und analysiert.
  • an Methoden der visuellen Anthropologie die Probleme und Fragen nach der Perspektive „hinter der Kamera“ versus „vor der Kamera“ thematisiert.
  • DIY-Kultur, Kollektivierungsversuche und Selbstermächtigungsstrategien mit Hilfe von prägnanten Beispielen aus der feministischen Film- und Performancetheorie und -praxis vorgestellt.
  • mit Hilfe von gemeinsamer Lektüre von partizipativen, theaterbasierten Theorien begriffliche Werkzeuge erarbeitet.


Aus der daraus entstehenden Diskussion werden so individuelle und gemeinsame Arbeitsvorhaben entwickelt, die an den folgenden Treffen gemeinsam weiter entfaltet werden. Nach und nach erarbeitet sich die Gruppe so eine eigene Diskursivität, die durch die Gäste und deren Vorträge und Workshops erweitert wird. Angefragt dazu sind postmigrantische Kunst- und Kulturaktivisten und Filmtheoretiker. Die diskursiv praktizierende Arbeit wird im Laufe der Zeit von den Young Fellows der Jungen Akademie in die Durchführung eines gemeinsamen filmisch-künstlerischen Experiments überführt. Diese Arbeit soll zum Abschluss in einer Ausstellung der filmischen Versuche präsentiert werden, die einen „state of the art“ der Forschungsergebnisse darstellt.

Für die Teilnahme an dem *filmlaboratory sind keine zwingenden Vorkenntnisse nötig, weder im theoretischen noch im praktischen, filmischen oder performativen Feld. Stattdessen wird die Bereitschaft erwartet, sich der vorgestellten Methoden zu bedienen und sich diese anzueignen. Ebenso ist im Verlauf der eigenen künstlerischen Produktion jede Arbeitsform denkbar, solange sie sich in das filmische Medium einbinden lässt.

MELDE DICH ALS YOUNG FELLOW AN

Lade das Anmeldeformular herunter, fülle es vollständig aus und sende es bis zum 18. Oktober 2015 an youthacademy@academycologne.org oder postalisch an folgende Adresse:

Akademie der Künste der Welt/Köln gGmbH
Mediapark 7
50670 Köln
z. Hd. Georg Blokus