Filmvorführung und Gespräch

• 04​ 05​ 2018 •
Filipa César & Sana Na N’Hada Spell Reel

96', in verschiedenen Sprachen mit englischen Untertiteln

19:30

Ort: Filmclub 813 in der Brücke, Hahnenstraße 6, 50667 Köln
7 €

Moderation von Katrin Mundt

In Kooperation mit dem Filmclub 813 in der Brücke

Im Jahr 2011 taucht in der westafrikanischen Stadt Bissau ein Film- und Tonbandarchiv wieder auf. Das Material steht kurz vor dem Zerfall und zeugt von den Anfängen des guineischen Kinos, das sich als Teil des politischen Befreiungskampfes (1963–74) sah. Diese Selbsteinschätzung deckte sich mit der Vorstellung, die der 1973 ermordete Dichter, Politiker und Unabhängigkeitskämpfer Amílcar Cabral dem Medium Film zuschrieb. Gemeinsam mit den guineischen Filmemachern SANA NA N’HADA und FLORA GOMES sowie vielen anderen hat FILIPA CÉSAR die verbliebenen Bruchstücke wieder zum Leben erweckt und sich dabei auf eine Reise begeben, auf der einzigartige Dokumente aus der Vergangenheit in die Gegenwart überführt und dort zu einem visionären Prisma wurden.

Das Archivmaterial wurde zunächst in Berlin digitalisiert, um dann mithilfe eines Wanderkinos an verschiedenen Orten Guineas gezeigt, kommentiert und diskutiert zu werden. Spell Reel ist das Ergebnis eines vielschichtigen und kollektiven Rechercheprojekts, das an die Orte zurückkehrte, an denen die ursprünglichen Filme entstanden waren, und sie dort – teilweise in Anwesenheit der Filmemacher – nun erstmalig öffentlich zeigte. So entstand ein mobiles, transnationales Kino, das zwischen abgelegenen Dörfern in Guinea-Bissau und europäischen Hauptstädten das Archiv zu einem Ort macht, an dem Menschen nach Gegenentwürfen zu einer Welt im Ausnahmezustand suchen.

FILIPA CÉSAR (* 1975 in Porto) studierte Malerei an der Faculty of Fine Arts der Universität in Porto und an der Faculdade de Belas Artes in Lissabon. 2008 schloss sie ein Masterstudium im Fach Art in Context an der Universität der Künste in Berlin ab. Als Künstlerin ist Filipa César seit 2001 international in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, seit 2007 ist sie auch als Filmemacherin tätig. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Der Filmregisseur und Autor SANA NA N’HADA (* 1950 in Enxalé, Guinea-Bissau) zählt zu den Pionieren des guineischen Kinos. In den 1960er Jahren engagierte er sich in der Unabhängigkeitsbewegung des Landes und nahm ein Regiestudium auf, um den Kampf gegen die portugiesische Kolonialmacht filmisch zu dokumentieren. Zu seinen Filmen zählen unter anderem O Regresso de Amílcar Cabral (1976), Xime (1994), Kadjike (2013) und Os Escultores de Espíritos (2015). Er schrieb das Drehbuch zu Filipa Césars Spell Reel.