Symposium

• Mi 23​ – 24​ 05​ 2018 •
Rethinking Locality

Mit OLIVIER MARBEOUF, MIKOŁAJ IWAŃSKI, ALEXANDER KOCH, SARAH VAN LAMSWEERDE, CECYLIA MALIK, SUHAIL MALIK, ESTHER MUGAMBI, BRITTA PETERS, NATAŠA PETREŠIN-BACHELEZ, ANETA ROSTKOWSKA

MI 23 5 18 / 19:00: King Georg, Sudermanstraße 2, 50670 Köln
DO 24 5 18 / 19:00: Altes Pfandhaus, Kartäuserwall 20, 50678 Köln

In englischer Sprache
Karten: 23 5 18: 5 €; 24 5 18: 8 €

In Zusammenarbeit mit Alexander Koch / KOW, Neue Auftraggeber

In Kooperation mit der King Georg Klubbar

23 05 (King Georg)

Teil I – Rethinking Locality. Artistic and Curatorial Methodologies

19:00–19:45 Vortrag von OLIVIER MARBEOUF
20:00–20:45 Paradise on Earth, Filmvorführung
21:00–22:30 Diskussion mit Cecylia Malik, Oliver Marboeuf und Nataša Petrešin-Bachelez, moderiert von Aneta Rostkowska

24 05 (Altes Pfandhaus)

Teil II – Rethinking Locality. Art and Economy

19:00–19:45 Vortrag von Alexander Koch
20:00–20:45 Tell/Sell, a Common Story, eine Performance und Installation von Sarah van Lamsweerde, entstanden und aufgeführt in Zusammenarbeit mit Esther Mugambi
21:00–22:30 Diskussion mit Mikołaj Iwański, Suhail Malik und Britta Peters, moderiert von Alexander Koch

Zeitgenössische künstlerische und kuratorische Praktiken oszillieren zwischen zwei scheinbar widersprüchlichen Ansätzen: Auf der einen Seite steht die Tradition des Modernismus mit ihrem Anspruch, eine gemeinsame Sprache von Formen und Anliegen zu schaffen, die spezifische kulturelle oder nationale Schranken überschreitet. Dieses universalistische Vorhaben zielt auf eine allumfassende, womöglich utopische Solidarität aller Kulturen. Auf der anderen Seite können wir in den letzten Jahren eine Hinwendung zum Spezifischen oder Lokalen beobachten: Künstler*innen und Institutionen solidarisieren sich mit Minderheiten und bieten marginalisierten Gruppen ganz bewusst eine Bühne. Einige von ihnen arbeiten mit lokalen Gemeinschaften und nutzen die Kunst – in der sogenannten Community Art oder in partizipatorischen und aktivistischen Kunstpraktiken –, um eine bestimmte Agenda zu unterstützen.

Diese beiden Ideologien erzeugen eine gewisse Spannung, innerhalb derer Künstler*innen und Institutionen heutzutage arbeiten. In diesem Spannungsfeld werden Kunstinstitutionen zu Räumen, die weit über die zeitgenössische Kunst hinaus in die Sphären des Akademischen, des Sozialen, des Wissenschaftlichen und des Politischen reichen. Der für den Modernismus so entscheidende Fetisch der "Unbestimmtheit" oder Offenheit der Bedeutung wird durch den Wunsch ersetzt, die Kunst relevanter, konkreter und effektiver – „realer“ – zu machen.

Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch, wie sehr sich zum einen der Modernismus immer schon an die lokalen Bedingungen angepasst hat, und wie zum anderen die ortsspezifischen künstlerischen Praktiken selbstredend innerhalb des globalen Kunstfeldes agieren. In gewisser Weise wird der universelle Anspruch vom Spezifischen oder Lokalen verfolgt – und umgekehrt. Was die Situation noch komplizierter macht, ist der Einfluss eines global existierenden Kapitalismus, der seine eigene Art von Universalismus hervorbringt und individuelle Autorschaft, Wettbewerb, Privateigentum und messbare Effekte predigt.

Wie kann man diese Situation besser verstehen? Können wir alle Prozesse in diesem Spiel verzeichnen und die so entstandene Karte für unsere künstlerische und kuratorische Praxis nutzbar machen? Wäre es hilfreich, wenn wir den Begriff von "Lokalität" (im Sinne einer bestimmten Nachbarschaft oder eines Ortes) durch den Begriff von "Translokalität" ersetzen würden? Denn dieser Begriff hebt eine Vielzahl von Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Orten und Menschen hervor, die durch offenen, nichtlinearen Austausch entstehen, oft jenseits der taktilen Grenzen, bezieht sich aber dennoch weiter auf den lokalen Rahmen.

Das Ziel des Symposiums ist es, darüber nachzudenken, wie sich das Globale und das Lokale kulturell und ökonomisch durchdringen und was eine wirklich "translokale" Kunstinstitution ausmacht. Während des ersten Abends werden wir uns auf künstlerische und kuratorische Methoden konzentrieren, während des zweiten – in einem historischen Pfandhaus – werden wir die wirtschaftlichen Grundlagen der genannten Prozesse analysieren.

Diese Veranstaltung wird begleitet von einem Seminar mit NATAŠA PETREŠIN-BACHELEZ und VIOLA VAHRSON als Gästen, das in Zusammenarbeit mit REGINA BARUNKE (Temporary Gallery) organisiert wird.

MIKOŁAJ IWAŃSKI ist Leiter der Abteilung für Geschichte und Kunsttheorie an der Fakultät für Malerei und Neue Medien der Kunstakademie in Stettin. Er studierte Philosophie und Wirtschaftswissenschaften und promovierte über die Marktbedingungen für die Entwicklung zeitgenössischer Kunst in Polen. Zu seinen wissenschaftlichen Spezialgebieten gehören die Analyse des Kunstmarktes sowie soziale Determinanten der Kunst. Mikołaj Iwański lebt in Stettin.

ALEXANDER KOCH ist Galerist, Kurator und Autor mit Lebensmittelpunkt in Berlin. 2008 begründete er gemeinsam mit Nikolaus Oberhuber und Jocelyn Wolff die Berliner Galerie KOW, die er bis heute leitet. Darüber hinaus ist er Ko-Initiator und Leiter des internationalen Netzwerks Neue Auftraggeber/ New Patrons, das lokale Gruppen von Bürger*innen als Auftraggeber für zeitgenössische Kunst mit Künstler* innen zusammenbringt.

MARIA LIND (* 1966 in Stockholm) ist Kunstkritikerin, Kuratorin und Autorin und leitet seit 2011 die Tensta Konsthall in Stockholm. 2015 kuratierte sie die Ausstellung Future Light, die im Rahmen der ersten Vienna Biennale zu sehen war. Mit ihrem Rechercheprojekt Abstract Possible (2010) war sie in verschiedenen internationalen Museen und Galerien zu Gast. In den 2000er Jahren leitete sie den Kunstverein München und das International Artist Studio Program in Sweden (IASPIS) in Stockholm. Maria Lind lebt und arbeitet in Stockholm.

SUHAIL MALIK ist Dozent für Critical Studies sowie für Art Practice Critical Studies am Goldsmiths College, University of London. Zwischen 2012 und 2015 war er Visiting Professor am Center for Curatorial Studies and Art in Contemporary Culture in New York. Er hat zahlreiche Aufsätze und Bücher veröffentlicht, darunter zuletzt die Sammelbände Der Zeitkomplex: Postcontemporary (2016) und Realismus, Materialismus, Kunst (2015; beide Bände zusammen mit Armen Avanessian). Er lebt in London.

Der Autor, Kritiker und freie Kurator OLIVIER MARBOEUF leitet seit 2004 das Kunstzentrum Espace Khiasma, eine Begegnungsstätte und Galerie für Zeitgenössische Kunst in Les Lilas bei Paris. In seinen Recherchen widmet er sich seit mehreren Jahren dem Kolonialismus und setzt dabei auf Techniken des spekulativen Erzählens. Darüber hinaus engangiert Marboeuf sich für den Kunstfilm – bei der Filmproduktionsfirma Spectre Productions ebenso wie bei Phantom, einer Plattform zur künstlerischen, materiellen und logistischen Unterstützung von Filmemacher*innen.

Die Kunstkritikerin und Kuratorin BRITTA PETERS (* 1967 in Birkenfeld an der Nahe, Deutschland) ist seit Januar 2018 Künstlerische Leiterin der Urbanen Künste Ruhr, einer dezentralen Institution für Gegenwartskunst im Ruhrgebiet. Zuvor gehörte sie zum Kuratorenteam der Skulptur Projekte Münster. Lehraufträge führten sie an die Hochschule für bildende Künste Hamburg und an die Kunstakademie Münster. Als Leiterin des Kunstvereins Harburger Bahnhof realisierte sie zwischen 2008 und 2011 diverse Ausstellungen im semi-öffentlichen Raum.

NATAŠA PETREŠIN-BACHELEZ (* 1976 in Ljubljana) ist freie Kuratorin und Autorin. Die ehemalige Ko-Direktorin der Laboratoires d'Aubervilliers ist auch Mitbegründerin von Cluster, einem Netzwerk von Organisationen, die zeitgenössische Bildende Kunst fördern und ausstellen. Derzeit kuratiert sie die Contour Biennale 9, die 2019 in Mechelen, Belgien, stattfinden wird. Nataša Petrešin-Bachelez lebt in Paris.

ANETA ROSTKOWSKA (* 1979 in Stettin, Polen) ist Kuratorin, Autorin und Wissenschaftlerin. Sie absolvierte das De Appel Curatorial Programme in Amsterdam und arbeitete für zahlreiche Galerien, vor allem in Krakau sowie im Rahmen der Baltic Triennale. Sie ist Mitbegründerin verschiedener künstlerischer Initiativen, die sich mit der aktuellen sozioökonomischen Situation Krakaus beschäftigen, und entwickelte gemeinsam mit Jakub Woynarowski das Konzept des „Gonzo Curating“. Seit 2016 ist sie Kuratorin bei der Akademie der Künste der Welt. Sie lebt und arbeitet in Köln.

Paradise on Earth

Dokumentarfilm, Polen 2015, 46 ', Polnisch mit englischen Untertiteln

Der Film ist eine intime Aufzeichnung einer zweijährigen Freundschaft zwischen der Krakauer Künstlerin CECYLIA MALIK, auch Regisseurin des Films, und einem obdachlosen Paar, das neben ihrem Haus lebte. Die Beziehung begann, als Artur und Iwona die Regisseurin zu ihrer Hochzeit einluden. Das Liebespaar offenbart der Autorin eine andere Welt, das Bild der Stadt, das sie bisher nicht kannte, und die Regisseurin lädt die Protagonisten ein, an einem ihrer künstlerischen Projekte teilzunehmen.

CECYLIA MALIK (* 1975 in Krakau, Polen) ist Malerin, Schauspielerin, Aktivistin und Kuratorin. In ihrer künstlerischen Praxis erörtert sie soziopolitische Fragestellungen und befasst sich beispielsweise mit der “Recht auf Stadt”-Bewegung oder dem gesellschaftsverändernden Potenzial von Kunst im Sinne der Sozialen Plastik. Sie hat an der Photography Biennale in Posen teilgenommen ebenso wie an den “Dialogen” der 11. Biennale für Zeitgenössische Kunst in St. Petersburg. Cecylia Malik lebt und arbeitet in Krakau.

Tell/Sell, a Common Story

Eine Performance und Installation von SARAH VAN LAMSWEERDE, entstanden und aufgeführt in Zusammenarbeit mit ESTHER MUGAMBI

In englischer Sprache

Die Performance Tell/Sell, a Common Story dreht sich um aufgefundene, fiktionale oder faktische Erzählungen von Kunstobjekten. Die Arbeit nimmt die Form einer klassischen Kunstauktion an, und obwohl tatsächlich ein Objekt auf einem Sockel präsentiert wird, ist es die Geschichte hinter dem Artefakt, die erworben werden kann. Jedes Wort der Geschichte muss an bereitwillige Bieter verkauft werden, bevor es Teil eines erzählerischen Ganzen wird. Das anwesende Publikum gestaltet blind die Geschichte durch seine eigenen konsumierenden Wünsche. Nach dem Kauf eines Wortes erhalten die Besitzer ein Echtheitszertifikat, in dem ihr Anteil an der Geschichte angegeben wird. Tell/Sell, a Common Story ist ein Performance-Kunstwerk, das in Zusammenarbeit mit der Künstlerin und Performerin ESTHER MUGAMBI entstanden ist und ursprünglich im Jahr 2014 von der Amsterdamer Galerie Ellen de Bruijne Projects in Auftrag gegeben worden ist. Die Arbeit wurde in verschiedenen Kunst- und Performance-Orten wie De Appel Arts Centre, Amsterdam, ISELP, Brüssel, und Bunkier Sztuki in Polen präsentiert.

ESTHER MUGAMBI ist Performance- und Video-Künstlerin, Schauspielerin und Sängerin. Ihre Performances, deren Texte sie oft selbst verfasst, waren unter anderem im Stedelijk Museum in Amsterdam, beim Rotterdam Festival, im La Mama Theater in New York oder am Young Vic Theatre in London zu sehen. Esther Mugambi lebt und arbeitet in Amsterdam.

Die Performance-Künstlerin SARAH VAN LAMSWEERDE bewegt sich mit ihren Arbeiten an der Schnittstelle von Theater und Bildender Kunst und erkundet dabei thematisch die Bandbreite zwischen (unvertrauten) Sprachen und massenmedialen Phänomenen. Ihre Arbeiten waren z. B. im Veem House for Performance in Amsterdam, im Witte de With Center for Contemporary Art in Rotterdam oder im Performatik in Brüssel zu sehen. Sie lebt in Brüssel und Amsterdam.