Vortrag und Gespräch

• 10​ 06​ 2018 •
Avery F. Gordon Archiving the Imaginary, the Erased, the Absent, and the Fugitive

18:30

Ort: Stadtgarten, Venloer Straße 40, 50670 Köln
In englischer Sprache
5 €
Moderiert von: Natasha A. Kelly

In Kooperation mit dem Stadtgarten

Das wundersame Archiv, dem AVERY F. GORDON vorsteht und das sie in ihrem jüngsten Buch The Hawthorn Archive: Letters from the Utopian Margins (2017) beschreibt, ist keine Bibliothek oder Materialkammer im üblichen Sinne. Vielmehr handelt es sich um einen imaginären Zufluchtsort für alle, die gegen Sklaverei, Rassismus, Ausbeutung und autoritäre Herrschaft antreten. Das Archiv versammelt Fotografien, Bilder, Essays, Kollaborationen und Briefwechsel zahlreicher Künstler*innen, mit deren Hilfe Gordon die utopischen Bestandteile widerständigen oder revolutionären Verhaltens erkundet.

Gordons Buch knüpft an die Philosophie Ernst Blochs an, der einst erklärte: „Es gibt utopische Ränder (...), die das vorhandene Wirkliche mit objektiv-real Möglichem umgeben.“ Der Vortrag greift die Idee dieser utopischen Ränder auf und untersucht deren mögliche Erscheinungsformen innerhalb eines vielstimmigen Archivs, das Fakt, Fiktion und Imagination verbindet. Inhaltlich fokussiert sich Gordon, Professorin für Soziologie an der University of California in Santa Barbara, auf marxistische Theorie und Traditionen des radikalen schwarzen Widerstands. Indem sie Objekte aus dem Hawthorn Archive zum Beispiel nimmt, verortet sie Bewegungen wie den Akt des Weglaufens, Vagabundierens, Rebellierens, Desertierens und andere, oft unleserliche Formen von Flucht jeweils in einem konkreten historischen Kontext.

Der Vortrag von Avery F. Gordon ist zugleich ein einführender Kommentar zur Programmachse der Akademie found:erased:palimpsest.

AVERY F. GORDON ist Professorin für Soziologie an der University of California in Santa Barbara sowie Visiting Professor an der Birkbeck School of Law, University of London. Sie ist Autorin verschiedener wissenschaftlicher Aufsätze und Monografien, darunter zuletzt The Hawthorn Archive: Letters from the Utopian Margins (2017) und Ghostly Matters: Haunting and the Sociological Imagination (2. Aufl. 2008). Im Rahmen der dOCUMENTA 13 entwickelte sie in der Reihe 100 Notes, 100 Thoughts gemeinsam mit der Künstlerin Ines Schaber die Notizen für den Breitenau-Raum von The Workhouse (2012).

Dr. phil. NATASHA A. KELLY ist Kommunikationswissenschaftlerin und Soziologin mit den Forschungsschwerpunkten visuelle Kommunikation, Kolonialismus und Feminismus. Die in London geborene und in Deutschland sozialisierte Autorin, Dozentin und Kuratorin hat an zahlreichen Institutionen in Deutschland und Österreich gelehrt und referiert. In ihren Publikationen Afroism, Sisters & Souls, Afrokultur u.a. und in ihren künstlerischen Arbeiten EDEWA, Giftschrank und African_Diaspora Palast verbindet sie Theorie und Praxis und schafft damit Transferleistungen zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Zudem ist sie seit vielen Jahren in der Schwarzen deutschen Community engagiert, u.a. als wissenschaftliche Referentin des Zentralrats der afrikanischen Gemeinden in Deutschland. Neben ihrer beratenden Tätigkeit für verschiedene Kunstinstitutionen ist sie die künstlerische Leiterin der Theaterreihe M(a)y Sister, die seit 2015 am HAU Hebbel am Ufer Theater in Berlin aufgeführt wird.