Vortrag und Gespräch

• 20​ 06​ 2018 •
Nicole Wolf & Madhusree Dutta Speculative Feminist Cine Geography

19:00

Ort: Academyspace, Herwarthstraße 3, 50672 Köln
In englischer Sprache
Freier Eintritt

Wie wird ein Archiv vom bloßen Aufbewahrungsort zum lebendigen Fundus, der eine spekulativ politische Praxis in der Gegenwart ermöglicht? NICOLE WOLF, Kulturschaffende und Dozentin für Visuelle Kultur am Goldsmiths College, University of London, beleuchtet diese Frage anhand der Sammlung des Arsenal – Institut für Film- und Videokunst in Berlin. Ihr Vortrag lädt dazu ein, Querverbindungen zwischen diversen Archiven des politischen Kinos herzustellen und so über die filmische Nähe zeitlich und räumlich getrennter Schauplätze radikaler Veränderung zu spekulieren. Beispiele feministischen Erzählens werden miteinander in Beziehung gesetzt, um ihr Potenzial für die gegenwärtige und zukünftige Erschaffung realer wie fiktionaler Welten auszuloten. Die Fiktion und kollektive ästhetische Erfahrungen können hierbei nicht nur das politische Denken erweitern, sondern auch die politische Praxis beeinflussen.

MADHUSREE DUTTA, Künstlerische Leiterin der Akademie, stellt ihr umfangreiches Project Cinema City vor, das sie über den Zeitraum von fünf Jahren, von 2008 bis 2012, in ihrer Heimatstadt Mumbai entwickelt und in einer mehrere Hundert Seiten starken Publikation dokumentiert hat: Im Zentrum des Projekts steht die Frage, wie sich die Wirklichkeit der realen Stadt Mumbai und die filmische Wirklichkeit, in der das Kino die Stadt imaginiert, zueinander verhalten. Beide beeinflussen einander fortwährend, was das Project Cinema City durch den ungeheuren Reichtum versammelter Fotos, Grafiken, Aufzeichnungen, Arbeitsnotizen, Informationen, Texte und Kommentare eindrucksvoll veranschaulicht. In ihrem Vortrag skizziert Dutta ihr Archiv der Kinokultur von Bollywood und legt dabei einen besonderen Schwerpunkt auf weibliche Rezeptionsformen des Kinos. Im Anschluss findet ein Gespräch zwischen den beiden Vortragenden statt.

NICOLE WOLF ist Dozentin am Department of Visual Cultures am Goldsmiths College, University of London, sowie Kuratorin von Filmveranstaltungen. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt sie sich mit internationalen Geschichten des politischen Kinos und interessiert sich insbesondere für die vielgestaltige Betrachtung dokumentarischer Praktiken in Südasien. Derzeit befasst sie sich im Rahmen des Projekts Archive außer sich – einer Kooperation des Arsenal – Institut für Film und Videokunst mit dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin – mit der Restaurierung und Erforschung der Arbeiten des feministischen Filmkollektivs Yugantar in Indien (1980–83).

MADHUSREE DUTTA (* 1959 in Jamshedpur, Indien) ist Filmemacherin, Kuratorin und Autorin. Ihre Filme wurden international auf Filmfestivals und Kunstevents gezeigt, Retrospektiven ihrer Arbeit waren international wie auch in Deutschland zu sehen. In den Jahren 2008–2012 realisierte sie ihre umfassende kuratorische Arbeit Project Cinema City, an der zahlreiche Bildende Künstler*innen, Fotograf*innen, Architekt*innen, Filmemacher*innen und Historiker*innen mitgewirkt haben. Aus diesem Projekt ist eine Anthologie unter demselben Titel hervorgegangen, die 2014 als bestes Buch mit dem Publishing Next Industry Awards ausgezeichnet wurde. Seit März 2018 ist Madhusree Dutta Künstlerische Leiterin der Akademie der Künste der Welt / Köln.