Werkstattgespräch

• 21​ 05​ 2019 •
Umkämpfte Erinnerungen – Ein Mahnmal für die Opfer des NSU in Köln MEMORY LAB #2


Mit ULF AMINDE, PETER BACH, AYSE GÜLEÇ, MITAT ÖZDEMIR und SANDRA VACCA von den Initiativen TRIBUNAL ‚NSU KOMPLEX AUFLÖSEN’ und HERKESIN MEYDANI – PLATZ FÜR ALLE

19:00

Ort: VHS-Saal im Bezirksrathaus Mülheim, Wiener Platz 2a, 51065 Köln
In deutscher Sprache
Eintritt frei


Gegenüber der Keupstraße in Köln-Mülheim, in Sichtweise des Friseursalons, wo vor 15 Jahren eine Nagelbombe explodierte, soll auf Beschluss des Rates der Stadt Köln ein Mahnmal an die Opfer der rassistischen Bombenanschläge in Köln (Probsteigasse, 2001 und Keupstraße, 2004) erinnern. Der Entwurf des Berliner Künstlers ULF AMINDE, der in Zusammenarbeit mit Betroffenen entwickelt wurde, überzeugte die aus Bewohner*innen der Keupstraße, Kunstexpert*innen und Politiker*innen bestehende Jury. Doch die Planungen kommen nicht voran, weil auf dem dafür vorgesehenen Platz am Alten Güterbahnhof ein lukratives Gewerbequartier entstehen soll. Die Initiative Herkesin Meydanı – Platz Für Alle – ein Zusammenschluss der Initiativen Keupstraße ist überall und Tribunal ‚NSU-Komplex auflösen’ – fordert dagegen gemeinsam mit den Betroffenen des Nagelbombenanschlags die Realisierung des Mahnmals am geplanten Platz und wendet sich gegen die erneute Verdrängung der Opfer. Auch an anderen Orten ist das Gedenken an die Opfer rassistischer Gewalt umstritten. So kämpfen in Mölln Überlebende der Familie Arslan seit vielen Jahren für ein würdiges Gedenken an die Opfer der rassistischen Morde von 1992; und in Kassel fordert die Familie Yozgat die Umbenennung der Holländischen Straße in Halitstraße – jene Straße, in der Halit Yozgat 2006 von Nazis ermordet wurde. Wie aber lassen sich solidarische Räume der Erinnerung herstellen? Wie mit wem Allianzen bilden? Und was genau sind die Forderungen der Betroffenen?


Das bundesweite Aktionsbündnis TRIBUNAL ‚NSU-KOMPLEX AUFLÖSEN’ besteht seit 2014 aus zahlreichen Initiativen aus ganz Deutschland, die sich mit strukturellen Rassismus, dem NSU-Komplex und Gedenkkultur beschäftigen und sich für Perspektiven von Betroffenen rassistischer Gewalt einsetzen. Im Mai 2017 realisierte das Bündnis am Schauspiel Köln ein zivilgesellschaftliches Tribunal, auf dem Betroffene und Angehörige von NSU-Opfern von ihren Erfahrungen im NSU-Komplex berichteten.

HERKESIN MEYDANI – PLATZ FÜR ALLE ist ein temporärer Zusammenschluss von Aktivistinnen der Initiativen ‚Keupstraße ist überall’ und Tribunal ‚NSU-Komplex auflösen’, die sich für die Umsetzung des Mahnmals an der Keupstraße einsetzen, das an die Opfer der rassistischen Bombenanschläge in der Probsteigasse (2001) und in der Keupstraße (2004) in Köln erinnern soll.

AURORA RODONÒ ist freie Kulturarbeiterin in den Bereichen Kunst, Film, Migration und Anti-Rassismus sowie Lehrbeauftragte am Institut für Kunst und Kunsttheorie/Universität zu Köln; 2012 bis 2014 Projektreferentin bei der Akademie der Künste der Welt; 2003 bis 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Forschungs- und Ausstellungsprojekt »Projekt Migration« (Köln 2005). Sie ist Teil der Initiative Tribunal 'NSU-Komplex auflösen'.

Das *Memory Lab
wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb.
In Kooperation mit der Volkshochschule Köln
Eine Veranstaltungsreihe der Akademie der Künste der Welt in Kooperation mit DOMiD – Dokumentationszentrum und Museum über die Migration Deutschland e.V.