Werkstattgespräch

• 25​ 06​ 2019 •
Her*stories – Memory Lab goes Emanzenexpress/ Für eine intersektionale und feministische Perspektivierung von Archiven MEMORY LAB #4


Mit MAREIKE BERNIEN, EVA BUSCH, YASMINE EID-SABBAGH, JULIA NITSCHKE und MIRIAM YOSEF

19:00
Ort: atelier automatique, Rottstraße 14, 44793 Bochum
In deutscher Sprache
Eintritt frei


In der Zeit von Mai bis Juli 2019 nehmen EVA BUSCH und JULIA NITSCHKE vom Bochumer Kunstraum atelier automatique in einer künstlerischen Recherche Beispiele feministischen Widerstands der 1980er und 1990er Jahre in Bochum unter die Lupe. Dafür tauchen sie im Rahmen ihrer Ausstellung Emanzenexpress_Gemeinsam sind wir gemeiner in die historischen Dokumente wie Flugblätter, Zeitungen, Zines, Bücher oder Tonband-Aufnahmen der Archive ausZeiten FRAUENARCHIV, des MADONNA e.V. und der Frauen*bibliothek LIESELLE ein, um daraus für die heutige Praxis zu lernen. Im Gespräch mit der HumanRights-Forscherin und Aktivistin MIRIAM YOSEF und den Künstlerinnen MAREIKE BERNIEN und YASMINE EID-SABBAGH vertiefen sie ausgehend von den Erfahrungen des Projekts die Frage, wie eine feministische Archivpraxis aussehen kann, die rassismuskritisch und intersektional ist. Welche Eigenschaften hat eine kritische feministische Archivpraxis, verstanden als soziale Praxis? Wie Allianzen herstellen, die solidarische Räume der Vergemeinschaftung eröffnen? Welche Rolle spielen dabei Fragen von Race, Class oder Gender? Wie wichtig sind geschützte Räume? Und inwieweit können die digitalen Medientechnologien die Apparate der Wissensproduktionen demokratisieren?

MAREIKE BERNIEN und YASMINE EID-SABBAGH vertiefen sie ausgehend von den Erfahrungen des Projekts die Frage, wie eine feministische Archivpraxis aussehen kann, die rassismuskritisch und intersektional ist. Welche Eigenschaften hat eine kritische feministische Archivpraxis, verstanden als soziale Praxis? Wie Allianzen herstellen, die solidarische Räume der Vergemeinschaftung eröffnen? Welche Rolle spielen dabei Fragen von Race, Class oder Gender? Wie wichtig sind geschützte Räume? Und inwieweit können die digitalen Medientechnologien die Apparate der Wissensproduktionen demokratisieren?

MAREIKE BERNIEN arbeitet als Künstlerin und Lehrende medial zwischen experimentellen Film, Sound und Text. In ihrem praxisbasierten PhD, das sie 2016 an der Akademie der bildenden Künste Wien abschloss, untersuchte sie die materielle, historische und politische Dimension von Farbe im Film. Zu ihren letzten Filmen gehören: Tiefenschärfe (2017) gemeinsam mit Alex Gerbaulet, Rainbow’s Gravity (2014) gemeinsam mit Kerstin Schroedinger. Ihre Arbeiten wurden im Internationalen Kunst- und Festival-Kontext vielfach gezeigt, darunter in der National Gallery of Art, Washington DC, im Whitney Museum of American Art, Forum Expanded Berlinale, Kurzfilmfestival Oberhausen, Les Complices* Zurich.

Die Künstlerin YASMINE EID-SABBAGH studierte in Paris Geschichte, Fotografie und visuelle Anthropologie. Im Jahr 2018 promovierte sie am Institut für Kunsttheorie und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste, Wien. Von 2006 bis 2011 lebte sie im Burj Shamali, einem palästinensischen Flüchtlingslager neben Tyre, wo sie fotografische Recherchen durchführte, darunter ein Gesprächsprojekt mit jungen Palästinensern und Archivierungsarbeiten an Privat- und Studioaufnahmen. Seit 2008 ist Eid-Sabbagh Mitglied der Arab Image Foundation. Sie erhielt den Arles Discovery Award, 2013, und den 8. Vevey International Photography Award, 2011, für ihre Zusammenarbeit mit Rozenn Quéré unter dem Titel Vies possibles et imaginaires (Possible and Imaginary Lives).

EVA BUSCH studierte Anthropologie und Kunstwissenschaft und arbeitet seither irgendwo zwischen Wissenschaft, Vermittlung, Kunst, und Aktivismus. Dabei interessiert sie sich insbesondere für queer-feministische und postkoloniale Machtkritik, Differenzen und Möglichkeiten des Gemeinsamen.

JULIA NITSCHKE ist Performance-Künstlerin und forscht zu (Internet-)Phänomenen der aktuellen Katzenbildkultur und stellt damit dringende Fragen nach unserer Welt. Ihr Kollektiv Meine Wunschdomain entwickelt in Orakelaufführungen Visionen für eine utopische und solidarische Zukunft. Darüber hinaus interessiert sie sich für politisch-performative Denk-Formate, zusammen mit Caroline Kapp und Eva Busch.

In Bochum betreiben Eva Busch und Julia Nitzschke mit weiteren wunderbaren Menschen das atelier automatique, einen möglichst solidarischen Arbeitsplatz für Künstler*innen und Off Space für die lokale Kunstszene.

MIRIAM YOSEF ist im politischen Bildungsbereich als Referentin, Trainerin und Beraterin mit einem Fokus auf Rassismus- und Machtkritik und Empowerment tätig. Unter anderem organisiert sie die BPoC Empowerment Reihe I Am Not Exotic - I Am Exhausted für das Projekt Rebel of Color. Sie hat einen M.A. in Human Rights von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie einen B.Sc.in International Development von der London School of Economics and Political Science. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Postkoloniale Studien, Critical Race Theory und Menschenrecht.

AURORA RODONÒ ist freie Kulturarbeiterin in den Bereichen Kunst, Film, Migration und Anti-Rassismus sowie Lehrbeauftragte am Institut für Kunst und Kunsttheorie/Universität zu Köln; 2012 bis 2014 Projektreferentin bei der Akademie der Künste der Welt; 2003 bis 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Forschungs- und Ausstellungsprojekt »Projekt Migration« (Köln 2005). Sie ist Teil der Initiative Tribunal »NSU-Komplex auflösen«.

Das Memory Lab wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb.
In Kooperation mit dem atelier automatique
Eine Veranstaltungsreihe der Akademie der Künste der Welt / Köln in Kooperation mit DOMiD – Dokumentationszentrum und Museum über die Migration Deutschland e.V.