Listening Session und Diskussion

• 09​ 07​ 2019 •
Zuhören als antirassistische Praxis – Das akustische Gedächtnis der Migration MEMORY LAB #5


Mit AYŞE GÜLEÇ, SEFA INCI SUVAK, ACHIM LENGERER und weiteren Gästen

19:00
Ort: Altes Pfandhaus, Kartäuserwall 20, 50678 Köln
In deutscher Sprache
Eintritt frei


Bei den Leerstellen in der Geschichtsschreibung und bei den hegemonialen Einschreibungen in unseren (westlichen, mehrheitlich weißen) Erinnerungsdiskurs geht es nicht nur darum, dass so genannte Minorisierte nicht sprechen können, sondern darum, dass sie, obwohl sie sprechen, nicht gehört werden. So gesehen geht es bei der Herstellung eines Gleichgewichts von Geschichte weniger ums Sprechen als ums Zuhören und um die Demontage von Silencing-Strategien, die jene, welche die Apparate des Wissens institutionell regulieren, innehaben. Wie aber können wir Zuhören organisieren? Wie kann das Zuhören zu einer politischen Praxis werden, die die Ambivalenz des Stimme-Gebens übersteigt? Wie hören sich in der Migrationsgesellschaft alternative akustische Archive an, die entlang der Tradition der Oral History Echoräume der Geschichte(n) eröffnen, welche die offizielle Meistererzählung – wie sie etwa in den staatlichen Archiven konserviert wird – gegen den Strich bürsten? Und wie hängen diese migrantischen Echoräume mit den linken, auch migrantischen Kämpfen der 1970er und 1980er zusammen – eine Zeit, in der die Gesellschaft der Vielen die Zukunft in der Gegenwart war.


AYŞE GÜLEÇ ist als forschende Aktivistin und Kulturarbeiterin in selbstorganisierten Initiativen in den Bereichen Migration, Postkolonialismus, Anti-Rassismus und Kunst wie z.B. in der Initiative 6. April und dem Tribunal „NSU-Komplex auflösen“ aktiv. Sie war als Community Liaison im Artistic Director Office der documenta 14 in Kassel tätig. Ayşe Güleç studierte Sozialpädagogik an der Universität Kassel und begann ab 1998 im Kulturzentrum Schlachthof im Bereich Migration und (inter-)kulturelle Bildung zu arbeiten. Sie entwickelte den documenta 12 Beirat und war Mitglied der Maybe Education Gruppe der documenta 13.

ACHIM LENGERER setzt sich in seiner künstlerischen Praxis mit politischen Wirkungs- und Funktionsweisen von Sprache und Text auseinander. Neben filmischen Tonspuren, Installationen und Publikationen gehören performative Vorträge und Veranstaltungen zu seinen Ausdrucksformen. Lengerer gründete verschiedene kollaborative Projekte, darunter die freitagsküche in Frankfurt/Main. 2006 entstand zusammen mit Dani Gal das Projekt voiceoverhead, welches sich in Audioperformances, Ausstellungen und Screenings mit archivierter gesprochener Sprache beschäftigt. Seit 2009 betreibt Lengerer den mobilen Ausstellungsraum und Verlag Scriptings. In seinem aktuellen Oral History Projekt Tonspuren zur Linken spürt er den Verbindungen zwischen den linken Gruppen in Köln und im Ruhrgebiet und den migrantischen Kämpfen seit den 1970er Jahren nach.

SEFA INCI SUVAK ist Journalistin, Autorin und Kulturredakteurin im Radio. Zwei ihrer Radiobeiträge erhielten einen Civis-Medienpreis. Außerdem initiierte und entwickelte sie, zusammen mit Justus Herrmann, das 2007 für den Grimme Online Award nominierte migration-audio-archiv (maa) Köln, das eine Sammlung von erzählter Migrationsgeschichte in der Tradition der Oral History ist. Daneben ist die Mitbegründerin des Artradios.

AURORA RODONÒ ist freie Kulturarbeiterin in den Bereichen Kunst, Film, Migration und Anti-Rassismus sowie Lehrbeauftragte am Institut für Kunst und Kunsttheorie/Universität zu Köln; 2012 bis 2014 Projektreferentin bei der Akademie der Künste der Welt; 2003 bis 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Forschungs- und Ausstellungsprojekt Projekt Migration (Köln 2005). Sie ist Teil der Initiative Tribunal 'NSU-Komplex auflösen'.


Das Memory Lab wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb.
Eine Veranstaltungsreihe der Akademie der Künste der Welt/Köln in Kooperation mit DOMiD – Dokumentationszentrum und Museum über die Migration Deutschland e.V.