Kolloquium

• 07​ – 08​ 11​ 2014 •
Von der Konkubine zur Wanderarbeiterin? Frauen in China

Eine Veranstaltung der Kölner Akademie der Künste der Welt und des Ostasiatischen Seminars (Bereich Kultur Chinas) der Universität zu Köln im Rahmen der PLURIVERSALE I.

Ort: Fritz Thyssen Stiftung, Apostelnkloster 13–15, 50672 Köln
Eintritt: 2 Tage 14 € / 10 €, 1 Tag 8 € / 6 €

Als Mao Zedong mit seiner viel zitierten Äußerung “Die Frauen können die Hälfte des Himmels tragen” die Befreiung der chinesischen Frauen aus ihren jahrtausendealten Fesseln, ihrer sozialen Unterordnung und Abhängigkeit im patriarchalen kulturellen und politischen System Chinas verkündigte, wurde dies zum Vorbild zahlreicher postkolonialer Entwicklungen und zum Kampfruf der Frauenbewegungen in aller Welt.

In Wirklichkeit leitete dieser Satz schon im frühen revolutionären China Maos eine Entwicklung ein, die Frauen aus ihren häuslichen Verhältnissen heraus in die industrielle Produktion und Landwirtschaft bringen und an der militärischen Wiedererstarkung des jungen Nationalstaates beteiligen sollte.

Unter den Bedingungen eines sich zusehends an globale Prozesse anpassenden Chinas stellt sich heute erneut die Frage nach der tatsächlichen Rolle und Stellung der Frau und Weiblichkeit in China. In der chinesischen Gegenwart ist die Frau in Politik und Wirtschaft zwar nach wie vor nur wenig sichtbar. In allen gesellschaftlichen Bereichen sind Frauen jedoch präsent und haben Akzente setzen können, welche die Gesellschaft mehr verändert haben, als gemeinhin sichtbar wird.

Das Kolloquium „Von der Konkubine zur Wanderarbeiterin?“ beschäftigt sich mit der Frage nach der Rolle und Stellung der Frauen in der gegenwärtigen chinesischen Gesellschaft sowie ihrer historischen Herleitung und wagt einen Ausblick auf die Zukunft Chinas und seiner Frauen. Neben internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Künstlerinnen kommen auch Frauen zu Wort, die das Publikum an ihren Erfahrungen teilhaben lassen und ihnen den Alltag der Frauen in China näherbringen werden. Die zweitägige Veranstaltung wird durch ein künstlerisches Rahmenprogramm chinesischer Musikerinnen und Dichterinnen abgerundet.

Leitung: Tienchi Martin-Liao, Mitglied der Akademie der Künste der Welt, und Prof. Dr. Stefan Kramer, Lehrstuhl für Kultur Chinas, Universität zu Köln Projektkoordination: Ulrike Traub, Cheng Mo, Melanie Räuschel, Sarah Kron Kontakt: tienchimartin[at]gmail[dot]com, loismocheng[at]gmail[dot]com

Von der Konkubine zur Wanderarbeiterin? Frauen in China ist eine Kooperation der Akademie der Künste der Welt mit dem Ostasiatischen Seminar (Bereich Kultur Chinas) der Universität zu Köln und Teil des Herbstprogramms der Akademie PLURIVERSALE I.

Podiumsdiskussion, Lesung, Fritz Thyssen Stiftung, 07./08.11.2014  Anna Kallage

Programmübersicht

(Programm in chinesischer Sprache)


Fr 7 11 2014

18:00

Musik-Auftakt (Instrument Guzheng): Li Juefei

18:10

Begrüßung: Ekaterina Degot, Tienchi Martin-Liao, Prof. Stefan Kramer

18:20

MANAGERIN, KONKUBINE UND WANDERARBEITERIN

Podiumsdiskussion mit: Qin Liwen (Wissenschaftlerin/Journalistin, Berlin), Zeng Jinyan (Autorin, Hongkong), Dr. Astrid Lipinsky (Sinologin, Universität Wien), Moderation: Tienchi Martin-Liao (Autorin, Akademie-Mitglied, Köln), Dolmetscherin: Su Xiaoqin

Chinas Frauen besetzen – laut Global Gender Report des Genfer World Economic Forum (WEF) – 32 Prozent aller höheren Managementpositionen; in den USA liegt dieser Anteil nur bei 23 Prozent. Auch hinsichtlich der Gesamtzahl weiblicher Erwerbstätiger liegt China (Rang 20) weit vor Deutschland (Rang 46). Denn nicht nur die Managerinnen, sondern insbesondere auch die Fabrik-, Wander- und Landarbeiterinnen leisten maßgebliche Beiträge für das wirtschaftliche Wachstum Chinas. Millionen von Frauen verlassen ihre Familien und Dörfer und werden Fließbandarbeiterinnen in den Städten. Auch Prostitution ist eine florierende Branche. Macht, Geld und Sex verführen Frauen dazu, einen Lebensweg als Konkubine einzuschlagen. Die komplexe Situation der Frauen im gegenwärtigen China wird in dieser Podiumsdiskussion von Wissenschaftlerinnen, Autorinnen aus Hongkong und Europa diskutiert.

20:00-20:30

Pause

20:30-21:50

DARK ROAD-ELEGIE UND TOCHTER DER KLEINEN INSEL

Lesungen des Schriftstellers Ma Jian (London) und Dichterin Huang Gang (Taiwan).
Diskussionsrunde, Moderation: Sabine Peschel (Sinologin/ Journalistin, Köln), Lesung: Anna Kozikowski (Mitglied Junge Akademie der Künste der Welt), Dolmetscherin: Tienchi Martin-Liao

Partei und Staat entscheiden in China über die Geburt eines Kindes. Sie bestimmen wann ein Kind zur Welt kommen und ob ein Ehepaar ein oder zwei Kinder haben darf. Die Familienplannung - die sogenannte Ein-Kind-Politik Chinas - hat nach mehr als drei Jahrzenten Praxis viele Probleme erzeugt und Kritik geerntet. Der international bekannte Autor Ma Jian thematisiert diese Politik in seinem neuesten Roman Dark Road. Er beschreibt das Wunder eines neugeborenen Lebens und die Verteidigung des Kindes durch seine Mutter gegen die Staatsgewalt.

Huang Gang ist eine junge Dichterin aus Taiwan. Sie engagiert sich stark für die Kultur und Sprache der Ureinwohner. Ihre Verbundenheit mit ihrer Heimat wird auch in ihren Gedichten und Texten deutlich.

Im Anschluss an die Lesung findet eine Diskussion mit den beiden Autorinnen statt.

21:50-22:00

Musik zum Abschluss des Abends: Li Juefei


Sa 8 11 2014

18:00

MEDIENLANDSCHAFT IN CHINA

Podiumsdiskussion mit: Bei Ling ((Dichter/Verleger, Taipei), Su Yutong (Journalis-tin/Bloggerin, Bonn), Moderation: Prof. Stefan Kramer (Lehrstuhl Kultur Chinas, Universität zu Köln), Dolmetscherin: Tienchi Martin-Liao

Entlang der sozial-politischen Machtverhältnisse sind auch die Massenmedien in China wie in der Welt überwiegend männlich dominiert und folgen den Anordnungen der spätindustriellen Informationsgesellschaft. In dieser Podiumsdiskussion werden Experten aus Wissenschaft und Medienbranche darüber diskutieren, ob und inwieweit diese vermeintlichen Festschreibungen sich im Zuge des digitalen Medienwandels verschoben haben. Konnten dabei auch andere Elemente in die Medienreprä-sentationen, die institutionellen Entscheidungsinstanzen und die staatliche Medien-politik Eingang finden und sich neue, nicht ausschließlich dem maskulinen Diktat folgende Akteure etablieren?

19:30-20:00

Pause

20:00-22:00

TROSTFRAUEN – FRAUEN ALS KRIEGSOPFER

Film Screening „Gai Shanxi und ihre Schwestern”, 2007, Regie: Ban Zhongyi (Tokio) (ca. 40 min.). Podiumsdiskussion mit: Ban Zhongyi, Gabriela Mischkowski (Mitbegründerin von Medica Mondiale, Köln), Moderation: Karin Fischer (Journalistin, Köln), Dolmetscherin: Su Xiaoqin

Der sexuelle Missbrauch von Frauen im Krieg war lange Zeit ein Tabuthema. Die geschätzten 2 Millionen deutschen Frauen, die am Ende des 2. Weltkriegs vergewaltigt worden waren, sind Zeugen davon. Doch bis heute wird sexuelle Gewalt gegen Frauen systematisch als „Waffe” benutzt, wie beispielsweise im Bosnienkrieg, in Ruanda oder im Kongo. In Asien wurde die organisierte Zwangsprostitution von Frauen aus China, Korea und anderen Ländern während des Sino-Japanischen Kriegs (1937–1945) unter dem euphemistischen Deckmantel „Trostfrauen“ verharmlost. Um die Moral der japanischen Soldaten aufrechtzuerhalten und Vergewaltigungen unter der Zivilbevölkerung vorzubeugen, wurden damals bis zu 200.000 Mädchen und Frauen zu sexuellen Diensten für die gegnerischen Soldaten gezwungen. Regisseur Ban Zhongyi zeigt uns seinen Dokumentarfilm über die Überlebenden dieses traurigen Kapitels der asiatischen Geschichte. Anschließend diskutiert er mit Gabriela Mischkowski, Mitgründerin von medica mondiale e. V., das Thema Frauen als Kriegsopfer.

Alle Veranstaltungen finden in deutscher und chinesischer Sprache statt.

Podiumsdiskussion, Lesung, Fritz Thyssen Stiftung, 07./08.11.2014  Anna Kallage