Junge Akademie

• 25​ 02​ – 01​ 03​ 2015 •
Tage der offenen Türen: Junges Internat der Künste der Welt


Ein künstlerisch-pädagogisches Sozialexperiment

Ort: Quartier am Hafen (Atelier A67), Poller Kirchweg 78-90, 51105 Köln, 10 Minuten vom Neumarkt mit Linie 7 bis Haltestelle "Poll Salmstraße"

Eintritt: 3 Euro (Tagesticket) und 9 Euro (4-Tagesticket), Sonntag frei

Die Junge Akademie der Künste der Welt gründet das Junge Internat der Künste der Welt, um sich damit den gegenwärtigen Krisen der Ökonomie, Demokratie und Bildung entgegenzustellen. Dabei setzt sich die Junge Akademie kritisch mit der zentralen Frage auseinander, in welcher Welt wir leben und in welcher wir leben wollen. Für fünf Tage werden die Türen geöffnet, um im Kollektiv und mit dem Publikum Alternativen für das Zusammenleben, -lernen und -arbeiten zu erproben und dabei insbesondere Macht- und Raumverhältnisse zu beleuchten.
In einem selbstbestimmten Curriculum während der vorlesungsfreien Zeit bearbeiten die jungen Kölner Künstlerinnen und Künstler täglich einen Wissensbereich: Welche Heimatkunde lehrt uns eine transkulturelle Welt und wo verlaufen die Grenzzonen, in denen Globales und Lokales nicht mehr unterscheidbar sind? Wir sind im Exil, aber wohin sollen wir fliehen, in die pragmatische Realität oder die ideale Utopie? Wer hat die Macht Lebensräume zu gestalten? Und können wir mithilfe der Kunst Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit finden?
Durch die Entwicklung eines alternativen künstlerischen Bildungsprogramms soll im Jungen Internat ein utopischer Zwischenraum geschaffen werden, in dem Unbekanntes sichtbar, Unaussprechliches erfahrbar und Unmögliches denkbar wird. In Workshops, Diskussionen, Filmvorführungen, Performances, Installationen und Partys werden diese Fragen diskutiert und nach Antworten gesucht. Tag und Nacht lernen, arbeiten und leben die jungen InternatsschülerInnen gemeinsam und präsentieren abends als Work in Progress die Weiterentwicklungen des kollektiven Prozesses.
Das Junge Internat der Künste der Welt ist während der fünf Tage für alle Interessierten offen: sowohl das Bildungsprogramm am Tag als auch die künstlerischen Veranstaltungen am Abend. Alle BesucherInnen sind eingeladen teilzunehmen und einen vielfältigen Diskurs mitzugestalten – jenseits sozialer und kultureller Grenzen sowie künstlerischer Disziplinen und ideologischer Klischees.

Von und mit
Malte Asmuth, Olga-Daryna Drachuk, Alessandro Famà, Frank Geier, Isabelle Houben, Mirjam Pietchamoa und Walter Solon

Künstlerisch-pädagogische Leitung
Georg Blokus

Ein Projekt der
Akademie der Künste der Welt / Köln


PROGRAMMÜBERSICHT

MITTWOCH, 25 2 2015
HEIMATKUNDE

19-19:45
Internatseröffnung

19-22
Das ist mein Zuhause // Eine performative Installation von Olga-Daryna Drachuk

20-23
hier nicht weit ist meine heimat // Eine theatrale Audioinstallation von Frank Geier


DONNERSTAG, 26 2 2015:
EXKURSION

10-18
Die Grubenführerin // Eine psychogeographische Fahrrad-Exkursion

19-23
Offene Türen

20 (Ende offen)
Gemeinsames Abendessen


FREITAG, 27 2 2015:
EXILLEHRE

18:30-23
Offene Türen
20-21.30 Eine andere Gerechtigkeit // Eine Lecture Performance von Walter Solon

SAMSTAG, 28 2 2015:
LEHRE DER LETZTEN TAGE

18:30-23
I.C.U. - Pissen ist Macht // Eine partizipative Live-Videoinstallation von Frank Geier

18:30-20:30
Überbrücken // Eine partizipative Soundinstallation

20:30-21:30
Protecting our Children // Ein Live-Hörspiel

21:30-22
Internatsschließung

22 (Ende offen)
ARTZ&BEATZ
Eine School's-out Party


SONNTAG, 01 3 2015:
ZEUGNISKONFERENZ

15-17:30
Offene Sprechstunde für neue Mitglieder

18-20
Öffentliche Feedbackrunde




PROGRAMM

MITTWOCH, 25 2 2015

HEIMATKUNDE

19-19:45
INTERNATSERÖFFNUNG

Das Junge Internat der Künste der Welt öffnet seine Türen für die Besucher und lädt zu einem geselligen Empfang. Die SchülerInnen des Jungen Internats geben einen Einblick in die Entstehung dieser Schule und wagen einen Ausblick auf das, was sie (noch) nicht wissen: die Entwicklung des Jungen Internats, seiner SchülerInnen und BesucherInnen in den nächsten Tagen.

19-22
DAS IST MEIN ZUHAUSE // EINE PERFORMATIVE INSTALLATION VON OLGA-DARYNA DRACHUK

© Torsten Meyer


Wenn einem alles geraubt wird, hat man zumindest noch sein Zuhause, zu dem man zurückkehren kann. Was aber geschieht, wenn auch dieses Zuhause auf einmal nicht mehr da ist? Wenn der Krieg die Heimat zerstört hat? Wie lebt es sich in einem Land, das sich um seiner nationalen Souveränität willen im Kriegszustand mit einem anderen Land befindet? Wie steht es um das Recht der Ukrainer auf ein menschenwürdiges Leben? Die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in der Ukraine nahmen ihren Anfang im November 2013 mit einem ersten friedlichen Protest auf dem Majdan in Kiew und haben sich bis zum heutigen Tag zu einem Krieg im Osten des Landes entwickelt. In der performativen Installation Das ist mein Zuhause wird mithilfe von Videos, Fotografien, Tonaufnahmen, Objekten, Folter- und Missbrauchsinstrumenten sowie Texten von Zeitzeugen ein Versuch der Rekonstruktion der aktuellen Geschehnisse in der Ukraine gewagt. Die Performerin erschafft dabei einen Zwischenraum des permanenten Umbruchs, der ihr verbliebenes Zuhause symbolisiert.

20-23
HIER NICHT WEIT IST MEINE HEIMAT // EINE THEATRALE AUDIOINSTALLATION VON FRANK GEIER

© Frank Geier


Am 22. Juli 1763 unterschrieb Katharina II. kurz nach ihrer Machtübernahme in Russland das Manifest, in dem sie deutschen Bauern mit der Übersiedlung nach Russland Religionsfreiheit, Steuerfreiheit und das Verfügungsrecht über ihr Land zusicherte. Viele Deutsche gaben ihr altes Leben auf und folgten den Versprechungen der Landsmännin, um sich in den Ebenen zu beiden Seiten der Wolga anzusiedeln. Über zwei Jahrhunderte entstand eine Subkultur mit einem eigenen Dialekt, eigenen gesellschaftlichen Strukturen und kulturellen Traditionen. Spätestens mit Beginn des Zweiten Weltkriegs jedoch verloren die Deutschen in Russland ihr Ansehen als hart arbeitendes Volk und wurden kollektiv zu Faschisten und Sündenböcken erklärt. Sie wurden für das verantwortlich gemacht, was in ihrer Abwesenheit in Deutschland geschah, und es folgten Diskriminierung und Deportation. Seither remigrierten vor allem in den 1990er Jahren über zwei Millionen Russlanddeutsche in ihre unbekannte Heimat und stießen hier vor allem aufgrund ihres eigenständig entwickelten Dialekts auf Unverständnis und Zurückweisung. In einer theatralen Audioinstallation, in der Besucher mit einem Funkkopfhörer der Geschichte eines russlanddeutschen Ehepaars in drei Akten folgen können, wird dieser mannigfaltig entwickelte Sprachinseldialekt gewürdigt und heutige gelebte Interkultur sowie die Ambivalenz von Heimatvorstellungen erfahrbar. Für interessierte Besucher ist die theatrale Audioinstallation über die gesamte Dauer der Tage der offenen Türen des Jungen Internats zugänglich.

Die Teilnahme ist täglich von 20-23 Uhr stündlich möglich; die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung vor Ort ist erforderlich.

DONNERSTAG, 26 2 2015

EXKURSION

10-18
DIE GRUBENFÜHRERIN // EINE PSYCHOGEOGRAPHISCHE FAHRRAD-EXKURSION

© Mirjam Pietchamoa


Nur 30 km von Köln entfernt wird seit 1978 Braunkohle zur Energiegewinnung abgebaut. Dabei entsteht ein 450 Meter tiefes Loch, das mehr als viermal so groß ist wie die Kölner-Innenstadt. Der Hambacher Tagebau macht auf eindrucksvolle Weise deutlich, welche Möglichkeiten Menschen heutzutage haben, die Umwelt nach ihrem Ermessen zu gestalten und zu verändern. Die Grubenführerin ist mit diesen Gegebenheiten vertraut und bringt die Schülerinnen und Schüler des Jungen Internats und andere interessierte BegleiterInnen zu Plätzen, an denen die Auswirkungen des Tagebaus erfahrbar werden. Fühlend, riechend, sehend, hörend begeben wir uns zu einem fast menschenverlassenen Ort, den noch bestehenden Resten eines der ältesten Wälder Europas und dem Grubenrand selbst. Das Projekt möchte in Köln lebende Menschen dazu anregen, den Hambacher Tagebau und seine Umgebung zu erkunden. Auf der psychogeographischen Fahrrad-Exkursion haben die TeilnehmerInnen Gelegenheit ihre Überlegungen zu Macht und Raum einer kritischen Reflexion zu unterziehen. Dabei geht es nicht darum, das Erlebte in Gutes oder Böses, richtig oder falsch zu unterteilen. Vielmehr soll sich erschließen, unter welchen Voraussetzungen an diesem Ort Lebensraum gestaltet wird. In Gesprächen mit lokalen Akteuren gibt es abschließend Gelegenheit, darüber zu diskutieren, ob diese kapitalistisch-demokratische Art des Zusammenlebens zukunftsfähig ist und wie Alternativen schmecken können.

Teilnahme auf eigene Gefahr!
Fahrräder können bereitgestellt werden.

Interessierte bitten wir um Anmeldung an: jungeakademie@academycologne.org

19-23
OFFENE TÜREN

Für alle interessierten BesucherInnen sind die Türen des Jungen Internats geöffnet. Es besteht die Möglichkeit, die dauerhaft zugänglichen Arbeiten zu erleben und die Work in Progress-Entwicklung des Jungen Internats zu erkunden.

20 (Ende offen)
GEMEINSAMES ABENDESSEN

Nach der Rückkehr von der Exkursion zum Hambacher Tagebau finden sich die SchülerInnen des Jungen Internats mit ihren Begleitern und anderen Besuchern zu einem abschlie-ßenden gemeinsamen Abendessen ein, in dem über Stadt-Land-Unterschiede, die Energiekrise und politische Partizipation diskutiert werden kann.

FREITAG, 27 2 2015

EXILLEHRE


18:30-23
OFFENE TÜREN

Für alle interessierten BesucherInnen sind die Türen des Jungen Internats geöffnet. Es besteht die Möglichkeit, die dauerhaft zugänglichen Arbeiten zu erleben und die Work in Progress-Entwicklung des *Jungen Internats *zu erkunden.

20-21:30
EINE ANDERE GERECHTIGKEIT: MEINE ERSTEN JAHRE ALS RICHTER // EINE LECTURE-PERFORMANCE VON WALTER SOLON

© Marina Berlowitz


Walter Solon stammt aus einer Juristenfamilie: Sein Vater ist Rechtsphilosoph und Anwalt, sein Großvater war Richter und er selbst ist es auch – zwei Jahre lang – gewesen. Als er nach seinem Abitur in São Paulo sein Jurastudium aufnahm, hatte er das Gefühl nur formell den Wünschen seines Vaters und Großvaters zu entsprechen. Das Studium sollte ihn aber - wie zahlreiche andere brasilianische Schriftsteller - eigentlich auf seine literarische Karriere vorbereiten. Letztendlich war ihm aber Literatur nicht genug. Er wollte etwas gegen die herrschenden Ungerechtigkeiten tun und wurde von seinem Vater und seinem Großvater als Partner in die umbenannte Familienkanzlei Solon, Solon & Solon aufgenommen. Seinen Schock angesichts der juristischen Praxis eines kartellbasierten Schwellenlandkapitalismus konnte er nur mit regelmäßigem Kokainkonsum, exzessiven Sexpartys und illegalen Straßenrennen begegnen. Darauf folgten seine ersten (und letzten) Jahre als Richter im fernen Bundesland Moto Grosso Feio, wo er an der Umsetzung seiner Gerechtigkeitsutopie kläglich scheiterte: ein Massaker gegen eine indigene Bevölkerungsgruppe konnte er nicht verhindern, er entschied gegen die Einführung von Guarany als zweite offizielle Amtssprache, schützte einen Serienvergewaltiger und ließ eine Gruppe von Anti-Staudamm-Aktivisten wegen zivilen Ungehorsams einsperren. Im Rahmen der fiktionalen Lecture Per-formance werden Videoaufnahmen seiner (vergangenen) Angeklagten gezeigt - mit Befragungen und Urteilen, Vorwürfen und Rechtfertigungen. Aber wo befinden wir uns? Weder im Gerichtshof, noch im Gefängnis, und auch nicht an den sonnigen Stränden der Freiheit. Nach der Universität, nach der Kanzlei, nach Moto Grosso Feio finden wir uns an einem vierten Ort (seinem deutschen Exil?) wieder, wo man, so Deleuze und Guattari, „sich selber deterritorialisieren [kann], indem man aufgibt, woanders hingeht… Eine andere Gerechtigkeit, eine andere Bewegung, ein anderer Zeit-Raum.“

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

SAMSTAG, 28 2 2015

LEHRE DER LETZTEN TAGE


18:30-23
I.C.U. - PISSEN IST MACHT // EINE PARTIZIPATIVE LIVE-VIDEOINSTALLATION VON FRANK GEIER

© Frank Geier


Der öffentliche Raum ist ein demokratischer Raum. Also ist er prinzipiell erstmal Eigentum aller Bürger und daher auch für jeden zugänglich. Doch der öffentliche Raum ist hart umkämpft: Verschiedene gesellschaftliche Gruppen und Subkulturen versuchen ihn tagtäglich für sich einzunehmen, um sich damit eine Stimme zu geben. Ein besonderes Beispiel für die Besetzung des öffentlichen Raums stellt dabei die öffentliche Toilette dar, die einen anonymen Zwischenraum bildet, in dem klare politische Meinungsäußerung möglich wird. Das heimliche Beschmutzen der Wände mit verbalen Schmierereien bleibt meistens unsanktioniert. Doch was passiert, wenn man genau diese Handlungen nachvollziehbar macht? Bleibt der Schutzraum der öffentlichen Toilette derselbe, wenn man den Autoren die Anonymität entzieht und sie nicht nur dabei beobachtet, sondern vielmehr zur radikalen Meinungsäußerung verführt? Die partizipative Live-Videoinstallation stellt die Frage, was unsere Meinungsfreiheit uns eigentlich noch wert ist. Im Nachbau einer öffentlichen Toilette hat der Besucher die Mög-lichkeit, seinen Meinungen freien Lauf zu lassen, wird dabei aber von einer Kamera überwacht, deren Bild für alle anderen Besucher sichtbar ist. Am Samstag, dem letzten Tag des Jungen Internats, wird das Material der letzten Tage öffentlich einsehbar sein.

18:30-20:30
ÜBERBRÜCKEN // EINE PARTIZIPATION SOUNDINSTALLATION

© Isabelle Houben


Wir leben in der sogenannten „freien Welt“. Aber wovor schützt uns diese Welt eigentlich oder sind wir doch nur Gefangene unserer beschränkten Freiheitsvorstellung? Die Emanzipation des Menschen zu einem freien Individuum hat uns jedenfalls nicht alle glückselig gemacht. Oder doch? Kommen womöglich mit jeder Befreiung auch neue Zwänge zum Vorschein? Der gesellschaftliche Wandel im Zuge des 20. Jahrhunderts - weg von Gehorsam und Pflicht hin zu Freiheit und Selbstverwirklichung - hat auch die Kunst verändert. Ist jeder Mensch wirklich ein Künstler, wie Joseph Beuys es propagiert hat? In der experimentellen Musik haben sich partizipative Kunstformen heute fest etabliert. Auch das Open Work ist ein wichtiger Teil dieser neuen Tradition, in der mit den Rollen von Komponist, Interpret und Rezipient beliebig gespielt wird. Die Unterscheidung von aktiven Produzenten und passiven Rezipienten wird zunehmend schwieriger. Diese ästhetischen Strömungen eint die politische Haltung der Enthierarchisierung und Emanzipierung des Zuschauers/Zuhörers im künstlerischen Schaffen als ko-kreativem Prozess. In der partizipativen Soundinstallation Überbrücken dürfen die Besucher das Geschehen mit verschiedenen Instrumenten und Klängen mitgestalten. Zugleich erzählen verschiedene literarische und theoretische Texte von Franz Kafka, Hannah Arendt, Joseph Beuys, Michel Foucault, Byung-Chul Han und anderen Denkern von fremden Zwängen, die wir verinnerlicht haben, von eigenen, von bewussten und unbewussten, von alten und neuen Zwängen und von der Befreiung von ebendieser. Wie befreiend ist es wirklich, selbst künstlerisch - in diesem Fall musikalisch - aktiv zu werden? Oder wird hier die kreative Freiheit zu einem Zwang, sich gegen das Zuhören entscheiden zu müssen?

20:30-21:30
PROTECTING OUR CHILDREN // EIN LIVE-HÖRSPIEL

© Frank Geier


„Unsere Welt ist grauenhaft. Krieg und Hass findet man inzwischen an jeder Straßenecke. Niemand ist sicher und jeder von uns ist potentielles Opfer. Doch keiner tut etwas dagegen! Wir müssen selbst verteidigen, was uns wichtig ist. Wir müssen unsere Kinder vor dem falschen Glauben, fanatischem Hass, ideologischer Gewalt und Homosexualität schützen!”
Diese Art von Aussagen haben nicht nur in Deutschland wieder Konjunktur. Sie werden benutzt, um Minderheiten auszugrenzen und um die „abendländische Leitkultur” zu verteidigen. Sie erzeugen ein Klima der Angst und des Misstrauens, das jederzeit in Gewalt umzuschlagen droht. In dem Live-Hörspiel Protecting our Children wird kritisch hinterfragt, wie nah uns die Dystopie einer verängstigten Gesellschaft schon heute ist und mit welcher Argumentation es Medien, Politikern und Institutionen immer wieder gelingt, sie zu schüren, um unser Verhalten zu manipulieren. Wie viel Angst kann eine Gesellschaft vertragen? Denn eigentlich wollen wir doch nur, dass unsere Kinder eines Tages in einer besseren Welt leben können. Oder steckt mehr dahinter?

21:30-22
INTERNATSSCHLIESSUNG

Das Junge Internat der Künste der Welt schließt seine Türen. Die Schüler des Jungen Internats ziehen ihre Lehren aus den letzten Tagen und machen sich wieder zurück auf den Weg ins „echte“ Leben: Wissen wir nun mehr und - wenn ja - was wird bleiben?

22 (Ende offen)
PARTY
Eintritt: 3 Euro (für Besucher des Jungen Internats frei)

SONNTAG, 1 3 2015

ZEUGNISKONFERENZ


15-17:30
OFFENE SPRECHSTUNDE FÜR NEUE MITGLIEDER

Die Junge Akademie lädt herzlich alle interessierten jungen Kölner KünstlerInnen und Kulturschaffenden zu einer offenen Sprechstunde ein: Wer möchte im nächsten Projekt mitarbeiten und welche Art der Zusammenarbeit im Kollektiv stellen wir uns vor?
18-20
ÖFFENTLICHE FEEDBACKRUNDE

Zum Abschluss fordert die Junge Akademie die Kritik des Publikums und bittet um ehrliches Feedback. Insbesondere sind hierzu alle jungen Akteure der Kölner Kunst- und Kulturszene zu Begegnung, Austausch und Vernetzung eingeladen.


BIOGRAFIEN


MALTE ASMUTH wurde 1992 in Bochum geboren. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Hospitanz als Regieassistent am Bochumer Prinz-Regent-Theater, bevor er 2012 ein Studium der Germanistik und Philosophie an der Universität Bonn begann. Zu seinen Interessen zählen vor allem die Literatur (insbesondere die literarische Moderne) sowie Theater und Musik. Besonders interessiert er sich für die Schnittstellen von Sprache und Klang. Malte schreibt Theaterstücke, Hörspiele und Prosa. Darüber hinaus spielt er Cello und seit einigen Jahren auch E-Bass in einer Band. Er hat außerdem Schauspielerfahrung bei diversen schulischen und außerschulischen Projekten gesammelt.

OLGA-DARYNA DRACHUK, geboren 1989 in Vinnyzia (Ukraine), studierte Pädagogik und Germanistik an der Nationalen Ivan-Franko-Universität Lviv. Seit 2012 ist sie Stipendiatin der DAAD-Stiftung an der Fachhochschule Köln und studiert dort Soziale Arbeit mit den Schwerpunkten Internationale Jugendarbeit, Kulturelle Jugendbildung und Theaterpädagogik. Ihre Interessenschwerpunkte gelten der ästhetischen Raumforschung, Fotografie, Gesang, Aktionskunst, Performance und Installation. In ihren Performances beschäftigt sie sich mit dem Phänomen Schmerz, thematisiert den gegenwärtigen Krieg in der Ukraine, bearbeitet ukrainische Volkslieder und experimentiert mit Gesang und Bewegung. Außerdem ist sie freie Übersetzerin, Handwerkerin und Globetrotterin.

ALESSANDRO FAMÀ wurde 1992 in Köln geboren und studiert Musikwissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Er beschäftigt sich in diversen künstlerischen Kontexten mit Sound Design und elektronischer Musik. In dem Theaterstück Cookies (2014) des Kölner F ANG-Kollektivs, das Fragen zum Verhältnis von Privatsphäre und Intimität im öffentlichen/privaten Raum stellte und auf dem 100-Grad-Festival in Berlin aufgeführt wurde, performte er eine sample-basierte Klavierkomposition. Seit 2013 arbeitet er mit dem Düsseldorfer Musikerkollektiv Moglebaum zusammen und spielt Konzerte und DJ-Sets auf nationaler und internationaler Ebene.

FRANK GEIER wurde in Kaiserslautern als Sohn russlanddeutscher Eltern geboren und hat 2014 nach Studienaufenthalten in Italien und Israel sein Studium der Humanmedizin an der Universität zu Köln erfolgreich abgeschlossen. Sein Hauptinteresse gilt aber dem Theater und der Performancekunst. Als Schauspieler, Regisseur und junger Theatermacher arbeitet er in der freien Kölner Theaterszene und setzt sich in seinen persönlichen Arbeiten hauptsächlich mit Migration und Sexualität auseinander. In dem Stück El Golpe (2013) forschte er mit dem deutsch-südamerikanischen Kollektiv El Mitote am Rhein nach den Auswirkungen von traumatisierenden Erfahrungen von Putsch und Diktatur in Chile und Lateinamerika. Außerdem beschäftigte er sich in Protest (2014) mit der normativen Trivialität ziviler Verantwortung und hinterfragte in Theaterdiktatur (2014) die Rollenverteilung und Meinungsbildung im Theaterbetrieb.

ISABELLE HOUBEN wurde 1995 in Bonn geboren und studiert Musikwissenschaft und Me-dienkulturwissenschaft an der Universität zu Köln. Sie ist Gründungsmitglied der Jungen Akademie, wo sie zuletzt die Ausstellung Ming Stadt, sowie 2013 die Lounge Indigo, (mit)organisiert hat. Als Kontrabassistin ist sie in mehreren Kölner Jazz-Ensembles aktiv. Musik ist für sie ein Medium der Reflexion ihrer Umwelt und persönlicher Erfahrungen. Seit 2013 arbeitet sie für das Kölner Plattenlabel achtkomma3musik und engagiert sich in der Union Deutscher Jazzmusiker.

MIRJAM PIETCHAMOA lebt seit Herbst 2013 in Köln und studiert Ethnologie. Ihr Interesse gilt den darstellenden Künsten. 2009 wurde sie in die Jugendakademie für Darstellende Künste der Proskenion-Stiftung aufgenommen. Bis 2013 absolvierte sie in diesem Rahmen regelmäßig verschiedene Weiterbildungen und war mit einem Stipendium beim Stanislawski Seminar in Moskau. Zuletzt wirkte sie bei der freien Theaterproduktion Flucht nach Vorne mit, die im Rahmen des west off-Theaterfestivals aufgeführt wurde. Bei ihren eigenen Arbeiten setzt sie sich kritisch mit Machtbeziehungen auseinander. Als Ausgangspunkt dienen dabei häufig persönliche Erlebnisse und Fragen. Mit ihrer Kunst möchte sie einen Beitrag zu kontroversen Diskussionen leisten, die über den anerkannten Mainstream hinausgehen. Es ist ihr Traum damit Impulse für gesellschaftliche Entwicklungen zu geben.

WALTER SOLON wurde 1992 in São Paulo (Brasilien) geboren und studierte Sozialwissenschaften und Literatur in São Paulo, Paris und Köln. Zurzeit studiert er Mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln. Er hat den Erzählband Seiva e Risco (2010) auf portugiesisch veröffentlicht, das Theaterstück Humildade geschrieben (Uraufführung von der Kölner Theatergruppe Lusotaque, 2013) und die Lecture Performance Erfahren und Erzählen (2014) an der Jungen Akademie der Künste der Welt präsentiert. Sein Hauptinteresse gilt dem Zusammenhang von makropolitischen Narrativen und erzählerischer Kunst in verschiedenen Medien sowie sozial-ästhetischen Experimenten, die konventionelle Repräsentationsbegriffe infrage stellen. Darüber hinaus arbeitet er als freier Übersetzer und hat bei den Projekten von Yael Bartana, Nurit Sharett, dem Contrafilé-Kollektiv und Campus in Camps im Rahmen der 31. São Paulo Kunstbiennale mitgearbeitet.