• 22​ – 26​ 02​ 2016 •
Das Privileg der (Selbst-)Repräsentation. Workshop-Woche

Mit Marianne Bechhaus-Gerst, Katia Barrett, Antonina Baever, Massimo Perinelli, Nanna Heidenreich, Cana Bilir-Meier.
Leitung: Ulf Aminde
Ort: ACADEMYSPACE, Herwarthstraße 3, 50672 Köln
Teilnahme nach Voranmeldung öffentlich: info@academycologne.org

Köln hat eine aktive Antirassismus-Szene. Allerdings werden die Modalitäten des Engagements zunehmend hinterfragt. Wer spricht für wen? Ist Critical Whiteness für weiße Menschen auch nur ein Weg, sich weiterhin mit sich selbst zu befassen? Diese und ähnliche Fragen führten während des No Border Camp 2012 in Köln zu einer heftigen Kontroverse. Bei dem deutschlandweiten Treffen antirassistischer Initiativen wurde den überwiegend aus der weißen Mittelschicht stammenden antirassistischen Linken vorgeworfen, rassistische Stereotype aus einer kritischen Position heraus aufrechtzuerhalten. In dieser Saison greifen die Fellows der Jungen Akademie zusammen mit Gastkurator ULF AMINDE die Themen dieser Debatte wieder auf. In einer Reihe von Workshops mit Gastdozenten werden verschiedene Erfahrungen antirassistischer Praxis im Rahmen von Aktivismus und Kulturproduktion vorgestellt und ihre Auswirkungen auf die Produktion von medialen Bildern, Kunst und Filmen untersucht.

Beiträge der Gastdozenten:

Mo 22 2 2016 / 11:00
MARIANNE BECHHAUS-GERST
Köln und der deutsche Kolonialismus
Ganztägig

Di 23 2 2016
11:00 KATIA BARRETT
Analoge Identitäten – Identität an der Schwelle zur Koppelung
15:00 ANTONINA BAEVER
Forever Raved

Mi 24 2 2016 / 11:00
MASSIMO PERINELLI
Kanakoperaismus statt Privilegiencheck - Migrantische Kämpfe und das Elend deutscher Identitätspolitik

Do 25 2 2016 / 15:30
NANNA HEIDENREICH
Die Kunst der Migration

Fri 26 2 2016 / 13:30
CANA BILIR-MEIER
Nachsinnen über das Archiv. Notes to Ses Alma Rehberi

Marianne Bechhaus-Gerst ist Professorin für Afrikanistik an der Universität zu Köln. Sie forscht unter anderem zur Geschichte von Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland und zur deutschen Kolonialgeschichte. Ihre letzten Veröffentlichungen dazu, Frauen in den deutschen Kolonien (2009, hg. mit Mechthild Leutner) und Treu bis in den Tod (2007), erschienen im Ch. Links Verlag. Als Kuratorin hat sie Ausstellungen zur kolonialen Vergangenheit Kölns und Aachens sowie zu Konstruktionen von Afrika in unserer Alltagskultur betreut. Sie ist Vorsitzende des Vereins KopfWelten, einem lokalhistorischen Projekt zur Erinnerungsarbeit in Köln.

Katia Barrett ist eine Londoner Künstlerin und macht derzeit ihren Masterabschluss am Dutch Art Institute in Arnheim. In Forschung und Praxis beschäftigt sie sich in letzter Zeit mit den Entwicklungen in der interdisziplinären theoretischen Biologie, in der die Subjektivierung von Natur mit der Naturalisierung der Subjektivität einhergeht. Ausgehend von dieser theoretischen Plattform erkundet sie Themen wie Agency, Verstand, Bewusstsein und Willen. Zu ihren jüngsten Londoner Ausstellungen zählen Young London im V22 (2013) und Geology of Piss im xero, kline & coma (2012).

Antonina Baever ist Künstlerin und Kuratorin in Moskau. Sie nahm an Videokunstfestivals in Örebro, Köln, Moskau und Melbourne und am Bergen Assembly 2013 teil. Zuletzt waren die Einzelausstellungen Socialism in a Dream (MUZEON Park of Arts, Moskau, 2014), Time Shall Be No More (CEH Manege, Moskau, 2014), Getting There Together (Triumph Gallery, Moskau, 2013) zu sehen. Ihre Arbeiten befinden sich in Museen und öffentlichen Sammlungen wie dem MMoMA, dem MUZEON Park of Arts und dem Dokumentarfilmzentrum in Moskau.

Massimo Perinelli arbeitet als Historiker an der Universität zu Köln. Er war organisiert bei Kanak Attak und ist Gründungsmitglied der Initiative „Keupstraße ist überall“ und des Aktionsbündnisses „NSU-Komplex auflösen“. Mit Dostluk Sineması führte er eine Filmreihe in den Cafés der Kölner Keupstraße vor, in der es um die Berichte von Betroffenen der Pogrome der 1990er-Jahre und des NSU-Anschlags von 2004 ging. Daraus entstand die Publikation Von Mauerfall bis Nagelbombe (Amadeu Antonio Stiftung, 2014). In Kürze wird er als Referent für Migration bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin tätig werden.

Nanna Heidenreich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Medienwissenschaften an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig sowie Ko-Kuratorin des Programms Forum Expanded bei der Berlinale. Seit 2015 ist sie für das Haus der Kulturen der Welt zum Themenbereich Migration, Flucht und Einwanderung tätig. Sie hat zahlreiche Beiträge zu kritischer Migrationsforschung, visueller Kultur, postkolonialer Theorie und Anderem Kino veröffentlicht. 2015 erschien ihre Dissertation V/Erkennungsdienste, das Kino und die Perspektive der Migration (transcript). Sie lebt in Berlin.

Cana Bilir-Meier ist Autorin, Kuratorin und Künstlerin. Sie hat an Schulen unterrichtet und war als Assistentin an der Akademie der bildenden Künste Wien tätig. Vor Kurzem hat sie ein Programm mit experimentellen Kurzfilmen österreichischer Regisseurinnen in Istanbul kuratiert und einen Dokumentarfilm über die Zensur in Kunst und Kino in der Türkei seit den 1980er-Jahren entwickelt. Zurzeit ist sie Stipendiatin von kültür gemma!, einem Projekt zur Förderung der Stadtkultur in Wien und von migrantischer Kunst- und Kulturproduktion. Ihre Filme waren unter anderem bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen und der Diagonale in Graz zu sehen. Sie lebt und arbeitet in Wien und Istanbul.

Ulf Aminde ist ein in Berlin lebender Künstler. In seinen Arbeiten, die mit Strategien aus Film, Performance und Dokumentation operieren, setzt er sich kritisch mit Fragen der Autorität und Repräsentation auseinander, die sich häufig auch bei Kollaborationen an Orten und mit Menschen ohne Bezug zur Kunst ergeben. Allen seinen Arbeiten gemeinsam ist eine uneingeschränkte Solidarisierung mit den Teilnehmer_innen seiner Projekte. Er ist darüber hinaus in vielen Lehrzusammenhängen tätig und forscht derzeit zu dem zukünftigen Potenzial von Kunsthochschulen. Er ist in mehreren selbstorganisierten Künstler_innen Vereinigungen aktiv und arbeitet auch hier an Solidarisierungsmöglichkeiten innerhalb des Kunstbetriebes. Derzeit entwickelt er in Berlin das Format *foundationClass, um Geflüchteten einen Kunsthochschulzugang zu ermöglichen.

Seine letzten institutionellen Einzelausstellungen waren im Heidelberger Kunstverein und in den Kunst-Werken Berlin zu sehen und dieses Jahr im West, Den Haag.

Mo 18 7 – So 24 7 2016 / 10:00-22:00
Ulf Aminde und die Fellows der Jungen Akademie präsentieren die Ergebnisse des Arbeitsjahres 2015/2016 im ACADEMYSPACE