Junge Akademie

Junge Akademie

Die Akademie der Künste der Welt veranstaltet halbjährlich oder jährlich ein eigenes alternatives künstlerisches Bildungsprogramm für junge Kölner/innen. Die Junge Akademie bietet euch die Möglichkeit, in einem Forum mit eingeladenen Gastkurator/innen politisch drängende Fragen künstlerisch zu reflektieren und sich darüber auszutauschen. Alle Interessierten zwischen 18 und 28 Jahren können bei der Jungen Akademie mitwirken und so alternative Formen der Bildung und Auseinandersetzung mit künstlerischen und intellektuellen Themen kennenlernen und mitgestalten. Die Projekte dieses Programms richten sich dabei an unterschiedliche Genres – von Performance und Musik über Videokunst und bildende Kunst sowie Tanz und Literatur bis hin zu Fotografie und Design. Derzeit werden Schule und Universität immer stärker kapitalisiert. Solidarische oder künstlerische Austauschmöglichkeiten gelten dabei als immer weniger wertvoll. Genau diese Räume zu erhalten und neu zu denken, ist Ziel der Jungen Akademie. Durch das intensive und über vier- bis achtmonatige Zusammenarbeiten in einer Gruppe sollen Solidarität und eine gemeinsame Sprache unter jungen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen erzeugt werden. Vorausgesetzt sind Interesse an der kritischen Auseinandersetzung mit ästhetisch-forschender Kunst, politischen Themen, Recherchearbeit als Raum für Auseinandersetzungen und an der transdisziplinären Kollaboration mit anderen jungen Kunst- und Kulturinteressierten.

Rückblick

KINDLY DISINVITED

Über ein Jahr lang haben wir in der Jungen Akademie der Künste der Welt in Köln zu Fragen nach Bildpolitik und Machtmechanismen im Gebrauch einer Kamera gearbeitet. Verhandelt wurde Kritik an partizipatorischen Arbeitsweisen, um im Gegensatz zu diesen Film als Sprache der Selbstdarstellung zu verwenden. Wir diskutierten das falsche Versprechen künstlerischen Arbeitens „mit oder über Geflüchtete“, welches anstelle der eigentlichen Selbstverständlichkeit formuliert wird, dass künstlerische Arbeit von KünstlerInnen egal welcher Herkunft einfach selbst gemacht werden kann. In der Workshop-Woche Das Privileg der (Selbst-) Repräsentation im Februar diesen Jahres lieferten vier eingeladene SprecherInnen aus ihrer Perspektive einen Beitrag zu dem gesamten Arbeitsjahr: Die Afrikanistin Marianne Bechhaus-Gerst sprach zu den Anwendungsmöglichkeiten der Diskussionen um das Kritische Weißsein und um die koloniale Geschichte Kölns. Massimo Perinelli stellte in seinem Vortrag den Beitrag der migrantischen Bewegungen und Communities in der Bundesrepublik für emanzipatorische Praxen seit den 60er-Jahren bis heute vor. Er zeigte dabei einen präzisen Solidaritätsbegriff auf, der danach ruft, auch innerhalb der Kunst angewendet zu werden. Nanna Heidenreich sprach zu den Verhandlungsmöglichkeiten von Migration innerhalb der Kunst und im filmischen Bild. Die Künstlerin Cana Bilir-Meier zeigte Ausschnitte aus ihrer Arbeit, in der sie behutsam ihre eigene Familiengeschichte mit einer Geschichtsschreibung über diejenigen Menschen verwebt, die als „GastarbeiterInnen“ gelabelt in Deutschland leben. Katia Barrett und Antonina Baever waren als Gastkünstlerinnen anwesend und gaben Einblicke in ihre eigene Praxis.

In der Ausstellung KINDLY DISINVITED zeigen wir die Ergebnisse des gesamten Jahres der Jungen Akademie der Künste der Welt. Aufgebaut als Filmwerkstatt, als Workshop-Camp oder Laboratorium der Bildproduktion möchten wir unsere Verhandlungen von Rassismen, Diskriminierungen und der Diskurse des Kritischen Weißseins zeigen, Ein- und Ausschlussmechanismen angreifen. Voreilig ausgerufene Multikulti-Harmonien versuchen wir aufzuknacken, queere Selbstbehauptung und Fragen nach Solidarisierungen zeigen wir selbstkritisch als Fluchtpunkte unserer eigenen Arbeit. Wir versuchen das IM GEBRAUCH von Bildern. Rassismus ist kein Gegenstand, den wir einfach von uns wegschieben können. Und mit der Ausstellung möchten wir ein Feld beschreiben, das nicht zu Ende verhandelt werden kann. Für uns entsteht ein erweiterter begehbarer Film, der in der eigenen Produktion kurz innehält, Besucher*innen anblickt und zeigen will, was bisher geschah, um lustvoll darauf zu schauen, was alles noch zu tun ist. Lotta Continua.

Ulf Aminde, Ronja Bader, Maria Chatzidimou, Manon Diederich, FEG, Anna Lebedeva, Adrian Robanus, Walter Solon, Nina Weber, Argia Helen Wehner und Elsa Weiland mit Nora Wiedenhöft, Jan Kryszons und Roel Weenink und ihrer großartigen Mitarbeit und Georg Blokus und mit Arbeiten von Cana Bilir-Meier Massimo Perinelli und Marianne Bechhaus-Gerst